Erste erfolgreiche Roboter-OP am AKH Wien

10.11.2021 | myRobotcenter
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Dass Roboter bei Operationen assistieren und Bewegungen von Chirurgen übersetzen ist nichts Neues. Doch mit diesem neuen Operationsroboter gelang der HNO-Universitätsklinik der MedUni Wien und dem AKH ein neuer Meilenstein.

Wann ist es sinnvoll einen Operationsroboter einzusetzen?

Es gibt Operationen, bei denen Millimeter entscheidend sind. Ärzteteams nutzen dafür bereits heute moderne Bildgebungsverfahren und robotische Operationsassistenten - welche ihre Bewegungen präzise ausführen und so Eingriffe auf engstem Raum ermöglichen. Doch auch hier sind Grenzen gesetzt, denn die bisherigen hochtechnischen Operationsapparate unterliegen einer minimalen Schwankungsbreite. 

 

Dieser geringe Wert machte es z.B. bei einer Cochlea-Implantat-Operation noch immer unmöglich, einen direkten Zugang zur Hörschnecke zu legen. Da die Hörschnecke nur einen Durchmesser von 1 mm hat und der Gesichts- und Geschmacksnerv sich unmittelbar daneben befinden, musste man bisher den invasiven Weg über die Schädeldecke nutzen.


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Vollautomatischer OP-Roboter als Meilenstein bei der Schlüsselloch-Chirurgie

Wolfgang Gstöttner von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten spricht von einem Meilenstein, denn der neue Hightech-Roboter führt nun nicht mehr die Bewegungen des Chirurgen aus, sondern arbeitet nach einem hochpräzisen Navigationssystem. Für sogenannte Schlüsselloch-OPs, wie die beim Einsetzen eines Hörimplantats, bedeutet das eine außerordentliche Verbesserung, weil für den Patienten eine minimalinvasive Operation ermöglicht wird. 

 

Gstöttner vergleicht die neue Technologie mit einem Autopiloten im Flugzeug. Der OP-Roboter arbeitet mittels eines exakten Navigationssystems, in das vorher alle Informationen über die Hörschnecke und die Position von Gesichts- und Geschmacksnervs eingespeist werden. Dank der neuen Technologie steuern die anwesenden Chirurginnen und Chirurgen den Roboter nicht mehr manuell, sondern er agiert vollautomatisch und legt minimalinvasiv einen präzisen Zugang zum Innenohr.


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HEARO eine Schweiz-Österreichische Kooperation

Das hightech Operationssystem mit dem Namen „HEARO“ wurde vom Schweizer Medizintechnikunternehmen CASCINATION entwickelt. Das Berner Unternehmen widmet sich der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Innovationen in der computergestützten und bildgeführten Chirurgie. “HEARO” wird gemeinsam mit dem Innsbrucker Medizintechnikunternehmen MED-EL, welches sich auf das Einsetzen von Hörimplantaten spezialisiert hat, betrieben. Der Operationsroboter wird voraussichtlich bis Ende des Jahres an die Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten zum Einsatz kommen.


Werden jetzt Chirurgen durch Hightech-Roboter ersetzt?

Nein, denn ohne das menschliche Zutun geht es auch nicht. Das Hightech-System ist auf menschliches Wissen, sowie Kontrollen durch erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten angewiesen. 

 

Herzstück der neuen Technologie ist ein transportables intraoperatives CT-Gerät. Bevor der OP-Roboter seine Arbeit aufnimmt, führt dieses Gerät eine Computer-Tomographie (CT) aus. Mittels einer extra dafür entwickelten Software zeichnen Spezialisten alle wichtigen Informationen über die Hörschnecke und die umliegenden Nerven ein. Ausgehend von diesen Daten wird danach ein 3D-Modell erstellt und das Hightech-Gerät berechnet, ob und wie der OP-Roboter einen passenden Zugang in die Hörschnecke setzen kann. Ist die Berechnung positiv und ein Zugang kann ohne Verletzung von Nerven und Arterien stattfinden, startet der Roboter mit dem Eingriff. 

 

Die vier bis fünf Schrauben, die der Roboter als Fixierpunkte braucht, müssen die Chirurginnen und Chirurgen noch immer selbst setzen. Auch der erste Schritt der OP - den Hautschnitt hinter dem Ohr - sowie das Einsetzen des Implantats in die Hörschnecke wird händisch gemacht.

 

Fazit, ohne Menschen geht es nicht, aber mit Sicherheit werden Operationsroboter wie "HEARO" Teil der Zukunft der Gesundheitsversorgung sein.


10.11.2021 | myRobotcenter
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